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Dr. Marlies Volkmer, die Schirmfrau unseres Verbandes
Dr. Marlies Volkmer heißt die neue Schirmfrau des Landesverbandes Dialyseverband Sachsen e.V. Die stellvertretende gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion wird die Initiative der Selbsthilfe für Nierenkranke tatkräftig unterstützen. Was sie da genau vorhat, wie sie ihre Rolle als Politikerin sieht und was sie in ihrer Freizeit gerne macht – lesen Sie selbst.
MdB Dr. Marlies Volkmer hat an der Uni Leipzig Medizin studiert. Von 1981 bis 1988 war sie Leiterin der Hautabteilung der Poliklinik Niedersedlitz in Dresden, wechselte dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Institut und Poliklinik für Arbeitsmedizin der Medizinischen Akademie in Dresden. 1990 trat sie in die SPD ein und wurde Mitglied des Sächsischen Landtages. 2002 zog sie über die sächsische Landeslist der SPD in den Bundestag ein. Sie ist stellvertretende Sprecherin für Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion. Gesundheit war für Sie schon immer ein wichtiges Thema.
Interview mit Dr. Marlies Volkmer
Sie haben Medizin studiert und sind stellvertretende gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Wie schätzen Sie die heutige Versorgung Nierenkranker in Deutschland ein?
Ich denke, die Versorgungsqualität von nierenkranken Menschen hat sich in den letzten Jahren verbessert und ist insgesamt als gut zu bezeichnen. Meine Partei, die SPD, und auch ich persönlich setzen uns für die Patientinnen und Patienten ein. Zuletzt wurde beispielsweise aufgrund meines Einsatzes nichtärztliche Dialysebehandlungen von den im GKV-Finanzierungsgesetz beschlossenen Maßnahmen zur Ausgabenbegrenzung ausgenommen.
Wie stehen Sie zur aktuellen Diskussion um eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Organspende und halten Sie es für sinnvoll – wie Nierenpatienten dies fordern -, die Organspendeerklärung auf der künftigen Patientenkarte zu hinterlegen, damit sie bei Bedarf zur Verfügung steht?
Ich halte es für notwendig, dass sich jede Bürgerin und jeder Bürger entscheiden muss, ob sie oder er nach dem Tod zu einer Organspende bereit ist. Die eigene Position zur Organspende ändert sich möglicherweise im Laufe des Lebens. Deshalb könnte ich es mir vorstellen, dass bei der Ausgabe des Personalausweises die Organspendebereitschaft dokumentiert wird. Damit wäre auch gegeben, dass sich jeder alle zehn Jahre mit dieser Fr5age auseinandersetzt. Natürlich bietet sich auch grundsätzlich die elektronische Gesundheitskarte an. Zurzeit ist aber leider nicht absehbar, wann diese Karte flächendeckend zum Einsatz kommt.
Beim Tag der Organspende, der am 4. Juni im Rahmen des Evangelischen Kirchentages in Dresden stattfindet, werden Sie vor Ort sein. Was sind für Sie die wichtigsten Forderungen, um den Organmangel zu bekämpfen?
Neben meiner Unterstützung der Gesetzesänderung hin zur Entscheidungslösung befürworte ich auch organisatorische Änderungen. So sollte zum Beispiel an allen größeren Kliniken die Stelle eines Transplantationsbeauftragten nach spanischen Vorbild geschaffen werden. Ob die Angehörigen von potentiellen Organspendern ihre Zustimmung zur Organspende geben, hängt maßgeblich von der Art der Gesprächsführung durch den Arzt ab. Entsprechende Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten ist dazu erforderlich.
Haben Sie selbst einen Organspendeerklärung?
Ja, ich besitze schon seit langem eine Organspendeerklärung.
Ist Politikerin ein Traumberuf?
Seit 1990 bin ich politisch tätig. Zuerst im Sächsischen Landtag und seit 2002 im Deutschen Bundestag. Ich mache die Arbeit gern, weil sie vielseitig und interessant ist und mir die Möglichkeit gibt, mit vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzutreffen. Es ist eine große, schöne, aber auch sehr verantwortungsvolle Aufgabe, im Bundestag täglich Entscheidungen zu treffen, die die Lebensbereiche und das Umfeld aller Menschen in Deutschland betreffen.
Was bedeutet es Ihnen, das Selbsthilfenetzwerk nierenkranker Menschen, den sächsischen Landesverband, als Schirmfrau zu unterstützen?
Aus Erfahrung weiß ich, dass gelegentlich über Patienten und nicht mit Patienten über wichtige Fragen entschieden wird. Dabei ist es wichtig, die Kompetenz aus Betroffenheit – die Patienten haben – zu nutzen. Als Schirmherrin möchte ich die hoch anzuerkennende ehrenamtliche Tätigkeit der Selbsthilfegruppen der nierenkranken Menschen unterstützen. Es wird darauf ankommen, dass wir es schaffen, dass auch in strukturschwachen Gebieten alle den Zugang zu einer umfassenden guten Versorgung haben.
Haben Sie in Ihrem näheren Umfeld mit Nierenerkrankungen zu tun?
Ja.
Vermissen Sie im Berliner Alltag Ihre sächsische Heimat?
Ich lebe gern in Dresden, aber auch in Berlin gefällt es mir sehr gut. Berlin ist eine sehr lebendige und junge Stadt.
Wie sieht ein Tag in Ihrem politischen Leben aus?
Mein Arbeitstag in Berlin beginnt in der Regel um 8 Uhr und endet in den späten Abendstunden. Ein Arbeitstag kann zum Beispiel so aussehen: Um 8 Uhr Expertengespräch zum Wohnen in Deutschland, danach arbeite ich im Gesundheitsausschuss und anschließend in der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion. Zwischendurch empfange ich eine Besuchergruppe aus meinem Wahlkreis Dresden. Um 13 Uhr findet eine namentliche Abstimmung statt und im Anschluss daran die Fraktionssitzung, ab 15.30 Uhr öffentliche Anhörung des Gesundheitsausschusses zum Thema Versorgungslücke. Den Abend beschließt eine Diskussion mit dem Deutschen Ethikrat zum Thema: Präimplantationsdiagnostik.
Welches Buch lesen Sie gerade, welche Musik hören Sie gerne?
Zurzeit lese ich Anne Tyller „Tag der Ankunft“, das ist ein wunderbares Buch über geglückte Integration. Musik höre ich nach Stimmung, Klassik, Pop etc.
Wo finden Sie Rückzugsmöglichkeiten im anstrengenden Politikalltag?
Ich entspanne mich beim Kochen für meine Familie. Tanzen sorgt für sportlichen Ausgleich und ganz besondere Freude machen Spiel und Beschäftigung mit meinem 1 ½ -jährigen Enkelsohn.
Wie sehen Sie die heutige Rolle der Frau in der Politik?
In der SPD gibt es eine Geschlechterquote von 40 Prozent für alle Wahlämter. Zurzeit sind in meiner Partei, der SPD, 31,2 % der Mitglieder Frauen. Ich wünsche mir, dass sich insgesamt noch mehr Frauen politisch engagieren, das heißt, ein politisches Amt anstreben und politische Ämter innehaben. Dabei sollten nicht nur die typisch „weiblichen“ Ressorts wie Familie und Jugend angestrebt werden.
Sie werden im September auch beim 20. Geburtstag des Landesverbandes Sachsen dabei sein. Was wünschen Sie der Selbsthilfeorganisation?
Ich wünsche der Selbsthilfeorganisation eine gute Vernetzung mit anderen Gesundheitspartnern, Erfolg und den Ehrenamtlichen bestmögliche Gesundheit und Freude an der Arbeit.
Das Interview führte Angela Monecke (1/2011)
